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 Die Ich-Erzählerin Sayoko und ihr Freund Yoishi geraten in einen schweren Autounfall. Während ihr Freund bei diesem Unfall stirbt, erlebt Sayoko eine Nahtoderfahrung. In einer Zwischenwelt trifft sie erst auf ihren verstorbenen Hund und schließlich auf ihren ebenso bereits verstorbenen Großvater, der sie wieder zurück in die Welt der Lebenden entlässt. 

Halt findet Sayoko in der Familie ihres Freundes und in dessen Arbeit; als Nachlassverwalterin kümmert sie sich um Yoishis Atelier und seine verbleibenden Kunstwerke. 

Ihre Wunden heilen, doch bald schon findet sie heraus, dass sie nun in der Lage ist Geister zu sehen. Auf diese Weise lernt sie Ataru kennen, der vor kurzem seine Mutter verloren hat und dieser nun jeden Tag frische Blumen ins Zimmer stellt; als Wiedergutmachung, da er sich, während seine Mutter lebte, nicht genügend um sie gekümmert hat. 

Zusammen mit dem Barkeeper Shingaki, der an Saykoko interessiert ist und auf sie aufpasst, fügt sie das Leben in Kyoto wieder zusammen. 

Nahtoderfahrung, der Freund stirbt, die Fähigkeit Geister zu sehen ... alles klingt nach viel Herzschmerz, Mystery und vielleicht ein wenig Esoterik. Wenn Du mit diesem Gedanken an dieses Buch herangehst, liegst du falsch. 

Nicht der Tod steht hier im Mittelpunkt, sondern das Leben an sich, mit all seinen Facetten, seinen Rätseln, seinen Unsicherheiten. Trotz der Thematik ist dieses Buch unglaublich offen und lebensbejahend. Es ist berührend ehrlich, von simpler, klarer Schönheit, die Sprache zeigt simple Eleganz. 

Ihre Figuren sind warm gezeichnet, aus dem Leben gegriffen und der Plot dient ihnen, nicht umgekehrt. Sie sind keine Schablonen, die für die Geschichte einen Zweck erfüllen, sie erzählen die Geschichte. 

Das Bild der Geister schafft eine Verbindung zwischen dem hier und jetzt, ohne jegliche Effekthascherei. Es scheint mehr wie eine Metapher dafür, dass, auch wenn Menschen diese Welt verlassen ihre Spuren trotzdem noch zu finden sind, immer noch nachhallen. Wenn die erste, harte Trauer vorbei ist, kann man, wie Sayoko erkennen, dass dies ein Gewinn und kein Verlust ist. Wenn ein Mensch stirbt, würde man sich wünschen, man hätte ihn nie gekannt um die Schmerz nicht fühlen zu müssen?  Es gibt es einem doch Sicherheit zu wissen, dass dieser Mensch da war und seine Präsenz im eigenen Leben noch immer Einfluss hat, noch immer zu spüren ist. Vergessen zu werden ist der wahre Tod, könnte das Fazit dieses Buches lauten. 

Banana Yoshimoto schafft es für mich wie noch kein Autor zuvor den Tod eines Menschen so ehrlich, herzerwärmend und dabei ohne  Schnörkelei oder übertriebene Dramatik so berührend darzustellen. Vor allem fasziniert mich die Hoffnung, die dieses Buch ausstrahlt. 

Der Tod kann einen immer und überall treffen, man kann und wird nie verstehen warum gerade dieser Mensch gehen musste. Doch das Leben geht weiter, und es ist gut so. Auch wenn sich die Dinge wandeln, auch wenn man manchmal an einer Mauer steht und nicht weiterkommt, das Leben ist schön und der Tod ein Teil davon. 

"Lebensgeister" hat mir ein bisschen die Angst genommen, mich aufgefangen und mir wieder einmal gezeigt, dass man kaum jemals wirklich allein ist, mit dem, was man erfährt. 

Das ist so viel mehr, als ich von einem Buch erwarten habe und ich bin dankbar, dass ich dieses Buch finden und lesen durfte. 
 

 

 

 

 

 

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