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Titel: Dunkles Tier Traurigkeit
Fandom: Harry Potter
Protagonisten: Fenrir Greyback, Walden Macnair
Pairing: Fenrir/Walden
Genre: Drama
Rating: ab 16
Warnungen: Slash, Dark, Dunkelschön (oder bittersweet); Charakterstudie, Achtung des Canon, Slash
Inhalt: Zwei Männer in einem Krieg, dessen Fronten längst zerbrochen sind und alles in einem Meer aus sinnlosem hoffen versinkt. Seltenes Pairing.

A/N:
Ein Versuch. Nicht mehr, nicht weniger. Eine Spielerei für mich selbst. Ich liebe ungewöhnliche Pairings. Der Titel: Nach einem Stück von Anja Hilling. Inhaltsangabe: Inspiriert durch eine Textstelle aus einem Roman von Remarque.

Musik: Gegen meine Gewohnheit, gibt es hier einmal ein Musikstück, ein "Mitbringsel" aus meinem Urlaub in Irland. Gewinnt jedoch wohl erst im Verlauf an Bedeutung.
 
 
 
 
Dunkles Tier Traurigkeit

1. Deal
 
Fenrir drückte sich tief in ein Gebüsch im dämmrigen Unterholz und hatte Angst. Es war eine kalte, ziehende Angst, die keinen Angriff zuließ, weil sie essenziell und damit völlig unantastbar war und von der er nicht wegzulaufen vermochte. Kein Biss, kein nehmen eines fremden Lebens konnte sie mehr zähmen. Es war die Angst des in die Ecke gedrängten Tieres, das sich langsam seiner Ausweglosigkeit bewusst wird und beginnt, in der Falle die Rettung zu sehen.

Er hat dem Vorschlag zugestimmt in dem vollen Bewusstsein, dass es für ihn keine andere Wahl mehr gab. Es war die Kraft, die fehlte. Fenrir rannte, rannte so lange schon; er lebte und tanzte am Abgrund, doch seine Sicherheit schwand von Tag zu Tag ein Stückchen mehr. Der Wolf wurde alt.

Nun ließ er warten, in der kindischen Hoffnung dadurch irgendeine Form der Vergeltung oder vielleicht der Genugtuung zu erlangen. Wenigstens für sich selbst, doch auch diese Rechnung ging nicht auf. Die Sterne standen schlecht und das Blatt in seinen feuchten Händen war zu nichts zu gebrauchen, die Joker lange verspielt. Chancen und Möglichkeiten hatte er sich seit jeher einfach genommen, als er merkte, dass er selbst nie welche bekommen würde. Insgeheim fürchtete er jedoch immer den Tag, an dem das Kartenhaus aus brachialer Dreistigkeit zusammenbrechen würde und er seine Niederlage praktisch unterzeichnet war.

Einen Tag wie heute.

Denn sein Erscheinen bedeutete nichts anderes als Kapitulation und das schlimme an der ganze Situation war, dass er es hatte kommen sehen. Dass er es gewusst hatte. Und das derjenige, der nun auf ihn wartete, es genau darauf angelegt hatte und nun nur den Köder wieder heranzog, ohne ihn jemals besondern weit ausgeworfen haben zu müssen.

Seinen Leuten hatte er Bescheid gegeben, diesem kläglichen, verlogenen Haufen gescheiterter Existenzen ohne Rückgrad, ohne Perspektive. Die nicht sahen, dass er auch nur einer von ihnen war und seine Brutalität nur ein Stoßdämpfer, der vielleicht die Fassade schützte, nicht aber ihn selbst. Mit einem Ruck richtete er sich zu seiner vollen Größe auf, brach durch das Gehölz und tauchte mit großen Schritten in das gleißende Sonnenlicht.

Offenbar war der Kontaktmann allein gekommen, wie es verabredet gewesen war. Auch Fenrir hatte sich daran gehalten, wenn gleich es bei ihm daran lag, dass es in seinem Umfeld einfach niemanden gab, dem er seine Rückendeckung anvertraut hätte. Trotzdem suchte er aus den Augenwinkeln sein Blickfeld ab, hob sogar prüfend die Nase in den Wind. Reine Zurschaustellung. Entgegen der geläufigen Annahme besaßen Werwölfe ihre tierischen Instinkte nicht während den übrigen Mondphasen. De Facto nahmen sie erst mit der beginnenden, ersten Verwandlung des jeweiligen Zyklus zu. Eine weitere Gemeinheit dieses Fluchs. Als ob die Schmerzen nicht schlimm genug wären, quälte zusätzlich der kaskadenartig ansteigende Geräuschpegel und eine überempfindliche Nase die völlig überreizten Sinne.

Er stieß die Tür auf. Die massiven Dielenbalken knarrten unter seinen schweren Stiefeln. Die mit den Stahlkappen in den Spitzen. Staub wirbelte auf, tanzte im Licht und kitzelte seine Nase. Nach nur wenigen Augenblicken in dem muffigen Raum schwitzte Fenrir Greyback wie ein Schwein.

Schwitzen zu können. Eines der wenigen Dinge, die er an seinem Menschsein wirklich zu schätzen gelernt hatte. Nicht alles war gut an den Wölfen. Den Pelz ablegen zu können, ohne ihn sich über die Ohren ziehen zu lassen zum Beispiel, von unschätzbarem Wert.
Blinzelnd sah er sich um. Die Mittagshitze staute sich in der Scheune zu einem erschöpfenden Crescendo. Fenrir kniff die Augen zusammen und starrte durch den tanzenden Staub. Langsam nur gewöhnte er sich an das seltsame, diffuse Licht. Weder hell noch dunkel. Menschliche Schwäche, das Konto glich sich aus.

Trotz der diesigen Lichtverhältnisse konnte er ausmachen, dass die Scheune recht geräumig sein musste. Sie war vor allem vollkommen leer. Auf den blanken Dielen lagen lediglich ein paar wenige, verkümmerte Halme trockenen Heus.

Nachdem er sich einige Schritte weiter hinein gewagt hatte sah Fenrir den Tisch. Ein billiger Muggeltisch aus schäbigem, schmutzig-weißem Plastik. Auf der rechten Seite stand ein leerer, alter Korbsessel mit einem rosafarbenem Kissen als Polsterung. Auf der Linken ein alter Schreibtischstuhl in fleckigem Braun. Die Lehne war ausgeleiert und bog sich unter dem Gewicht des dort wartenden Mannes bedenklich weit nach hinten. Fenrir bleckte die Zähne. Walden Macnair, Voldemorts oberster Heiler und niedrigster Henker des Ministeriums, lächelte und nahm die lässig hochgelegten Füße schwungvoll herunter.

"Wie ich sehe bereitet mir euer Lord einen … angemessenen Empfang", knurrte Fenrir abfällig, nachdem er sich wieder gefangen hatte.

Macnairs Lächeln verblasste keine Sekunde. Mit einer erstaunlich galanten Handbewegung bot er seinem Verhandlungspartner den freien Sessel an. Fenrir schleuderte das rosarote mottenzerfressene Kissen beiseite und setzte sich.

Der Henker beobachtete ihn dabei schweigend. "Er ist unser aller Lord, Mr Greyback. Das sollten ihnen klar sein", sagte er und obwohl sein Ausdruck es initiierte hörte man in seinem Tonfall keine Nuance des Tadels. Die Stimme rau, aber sanft. Wie Schleifpapier, dachte Fenrir. Harmlos und doch schmerzhaft scharf und durchaus zerstörerisch im Übermaß.

"Mein Lord?" Fenrir spuckte geringschätzig aus. "Mein Lord ist das, das und das!" Er grinste Macnair breit an, leckte sich über die oberste Zahnreihe. Dann hob er seine Hände und zeigte ihm seine gelblichen, langen, spitz zuggefeilten Fingernägel. Zuletzt schlug er sich mit beiden Händen laut klatschend auf den Unterleib. "Oh … und dieser nicht zu verachtenden Freund natürlich auch", setzte er hinzu und kratzte sich feixend am Sack.

Macnairs Miene bliebt zu Fenrirs Ärger ausdruckslos. "Mr. Greyback, wie sie wissen hat der dunkle Lord um dieses Treffen gebeten um …"

"Der dunkle Lord bittet um eine Verhandlung und schickt mir einen Henker. Was soll das bedeuten? Schließt euch an oder verreckt gleich hier und jetzt?"

"In der Tat, das bedeutet es."

Fenrir starrte ihn an.

Macnair lehnte sich vor. "Mr. Greyback. Der dunkle Lord bat um dieses Treffen, um sich der Unterstützung der Werwölfe Englands sicher zu sein. Deren Interessen sie als ihr … Anführer vertreten. Der dunkle Lord bat mich jedoch auch dafür zu sorgen, dass sie unseren Interessen nicht im Weg stehen."

"Was stünde ihren Interessen denn im Weg?"

"In erster Linie ihre Existenz." Der Satz hing wenige Herzschläge in der Luft und Fenrir wusste plötzlich, dass sein Gegenüber ihn genoss. Ihn sich gerade zu auf der Zunge zergehen ließ. "Ein Übel, welches der dunkle Lord bereit ist in kontrolliertem Maße in Kauf zu nehmen, sollte er einen Nutzen darin sehen", fuhr der Henker scheinbar völlig unbeteiligt fort.

Verdammtverfluchte Zauberer. "Also ich schließe mich an oder sie vernichten mich. Ein Angebot das ich nicht ablehnen kann, wie mir scheint." Greyback erhob sich

"Wie schön, das wir uns so schnell einig werden konnten." Macnair erhob sich ebenfalls, senkte bereits den Kopf zu einem gemäßigten Abschiedsgruß.

"Entweder ich lande bei den Fischen oder ich muss auf die Matratzen. Keine besonders erquickende Wahl."

"Wie bitte?"

Fenrir rollte mit dem Augen. Keine Ahnung von Muggeln, wie er es sich gedacht hatte. Diese Bastarde zogen gegen einen Feind in die Schlacht, von dem sie keine Ahnung hatten, nur weil die Evolution der Umstände sie in die Position der Alphatiere gesetzt hatte. Narren.

"Was springt dabei raus? Ja, ich hab's kapiert. Sie sind der Boss", knurrte er, ohne den Henker zu Wort kommen zu lassen. " Der Lord ist der Boss. Aber was springt für mich dabei raus? Wenn sie die Werwölfe haben wollen, brauchen sie mich. Wir mögen zwar nur ein Dorn in der hochwerten Pfote des Lords sein, aber so ein Dorn kann verdammt piesacken. Und … mit Verlaub, so dämlich bin ich nicht, um nicht mitzukriegen, dass ihr gehörig an Mitgliederschwund leidet. Noch vor ein paar Jährchen hätte keiner von euch reinblütigen Pinkeln sich auch nur in der gleichen Stadt wie ich aufgehalten. Geschweige denn im gleichen Raum. Und Geschäfte hättet ihr schon gar nicht mit uns gemacht. Also … lass hören."

Zum ersten Mal in dieser ganzen Begegnung wirkte Walden Macnair in irgendeiner Weise berührt. In diesem Falle war er eindeutig pikiert, vielleicht auch ernsthaft verärgert? Wenn der Todesser die Kontrolle verlieren würde, wäre es Selbstverteidigung … und überhaupt, verdient habe ich es allemal, dachte Fenrir bei sich.

"Selbstverständlich würden ihre Dienste entlohnt werden", antwortete Macnair reserviert.

"Heißt im Klartext?"

"Die Gunst des Lords ist ihnen sicher."

Fenrir schüttelte den Kopf. "Dafür kann ich mir nichts kaufen, Partner", knurrte er. "Was kriege ich? Bar auf die Kralle. Materielles Zeug. Gold? Frauen? Kinder?"

Der Gesichtsausdruck der Henkers zeigte Fenrir, dass er die richtige Frequenz getroffen hatte. Jedem anderen wäre vermutlich bei diesem Anblick das Blut in den Adern gefroren.

"Kinder", wiederholte der Todesser langsam.

"Ich mag Kinder", grinste Fenrir. "Also, Deal?", fragte Greyback als keine Reaktion erfolgte und bevor sein Gegenüber verschwinden konnte.

Er streckte den Arm aus und bot dem Todesser seine offene Handfläche dar.

Der Henker zögerte einen kurzen Moment. "Ich denke, das ließe sich einrichten. Deal", bestätigte er plötzlich und schlug ein.
 
 
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